Landau, 1. Oktober 2026
C H I L E
+++Forschung fürs Überleben+++
Im Berichtzeitraum wurden mehrere Berichte über von Sphenisco geförderte oder unterstützte Forschungen vorgelegt:
1. Untersuchungen zur Nahrungssuche im November und Dezember 2025 von Ursula Ellenberg (1), Maximiliano Daigre Valdés (2). Siehe Artikel „Humboldt-Pinguinen auf der Spur - Feldforschung auf den Inseln Cachagua und Choros vom 13. September 2026.
2. Fortpflanzungsverhalten und Bruterfolg des Humboldt-Pinguins von Guillermo Luna-Jorquera (3), Nicolás Luna (3) (4), Karen Lau (3), Mylene Seguel (3) (5). Siehe Artikel „Bruttätigkeit des Humboldt-Pinguins auf den Inseln Chañaral und Choros, 2021 bis 2025“ vom 14. August 2026.
3. Migration von Humbooldt-Pinguinen nach der Brutzeit von M. Daigre (2), P. Arce (6) und A. Simeone (2) (6). Siehe Artikel „Satellitenüberwachung von Humboldt-Pinguinen während der Brutzeit auf der Insel Cachagua, Zentralchile“ vom 2. September. Alle Bericht auf dieser Internetseite.
+++Untersuchung des Bruterfolgs 2026/2027+++
Die Universität Católica del Norte und die Sphenisco Stiftung haben Ende August 2026 eine Vereinbarung zur Untersuchung des Bruterfolges auf den Inseln Chañaral, Choros und Tilgo abgeschlossen. Mit den Untersuchungen 2026/2027 soll der Bruterfolg oder sein Ausbleiben unter El Niño – Bedingungen dokumentiert werden. Damit wird das im Jahr 2021 begonnene Programm zur Überwachung des Reproduktionserfolgs fortgeführt. Leiter des Projektes ist Dr. Guillermo Luna-Jorquera.
Am 30. September teilte der Forscher mit, „dass wir mit der Feldarbeit beginnen können. Unser erster Ausflug in dieser Saison findet nächste Woche statt“. Hoffentlich finden die Wissenschafftler trotz El Niño viele Pinguine.
+++Fake News in der Causa „Dominga“+++
Am 30. August ließ Firma Andes Iron durch den Fischerverband Totoralillo Norte und den Gemeindeverband von La Higuera verbreiten, der Weg für die Realisierung des umstrittenen „Dominga-Projektes“ sei frei. Dieser Desinformation traten zivilgesellschaftliche Organisationen, die in der Humboldt-Coquimbo-Atacama-Allianz organisiert sind, entschieden entgegen. Nancy Duman, Sprecherin der Allianz, wies darauf hin, dass die Gemeinden seit mehr als einem Jahrzehnt mit Kontroversen und Prozessen im Zusammenhang mit „Dominga“ konfrontiert sind. „Wir Gemeinden haben es satt, dass versucht wird, eine Realität zu etabilieren, die es einfach nicht gibt. Nach mehr als zehn Jahren der Kontroversen, Ablehnungen und gerichtlichen Befragungen kündigt Andes Iron erneut an, dass „Dominga“ so gebaut wird, als wäre nichts geschehen. Aber die Wahrheit ist, dass die Justiz noch nicht das letzte Wort gesprochen hat". (siehe Artikel vom 30. und 31. August in der Online-Zeitung El Comunal La Higuera https://www.elcomunal.cl/
+++Fotoausstellung bei der CEAZA+++
Anfang Juli 2026 wurde die Fotoausstellung „Lasst uns den Archipel erkunden: Quelle des Lebens für die Menschheit“ im Zentrum für Umweltbildung der CEAZA (7) eröffnet. Die Ausstellung im Zentrum von La Serena sollte bis zum 6. August gezeigt werden. Wegen des Unwetters mit Starkregen musste sie abgebrochen und die Exponate in Sicherheit gebracht werden. Ob die Ausstellung noch einmal im Zentrum für Umweltbildung gezeigt werden kann, wird aktuell geklärt.
+++Pinguin Mobil+++
Die Umweltbewegung Camanchaca aus Caleta Los Hornos hat mit Unterstützung der Fundación Sphenisco Chile und gefördert vom Zoo am Meer Bremerhaven ein mobiles Zentrum für Informationen zur Umwelt, Kultur und Ökotourismus geschaffen. Ziel ist es ist nachhaltigen Tourismus als Instrument des Naturschutzes in der Gemeinde La Higuera zu fördern. Die Arbeiten sind abgeschlossen. Die Eröffnung bzw. öffentliche Einweihung verzögerte sich durch die Juli-Unwetter in Chile und soll jetzt am 9. Oktober 2026 stattfinden.
+++Leitfaden „Lernen, um zu schützen“+++
Am 10. September stellte das Umweltministerium der Region Coquimbo den Leitfaden „Aprender para Proteger“ (Lernen, um zu schützen) der Öffentlichkeit vor. Auf der Veranstaltung referierten Nancy Duman und Valeria Canto von der Fundación Sphenisco Chile zum Thema „Der Humboldt-Pinguin und sein Lebensraum“. Sie stellten neue Studien und Erkenntnisse vor, thematisierten den starken Rückgang der Population und daraus folgend die Notwendigkeit des Schutzes dringend zu erweitern.
+++Fachausschuss RECOGE-Plan gegründet+++
Am 14. Septmber wurde in einem Online-Meeting ein Ausschuss mit fachliche und politisch verantwortlichen Beratern zur Durchführung des Plans RECOGE „Humboldt-Pinguin“ gegründet. Eingeladen hatte Ignacio Díaz Hormazábal, Leiter der Abteilung für das Management der Schutzgebiete bei der CONAF (8). Der Einladung folgten 10 Personen, darunter auch Dr. Guillermo Luna Jorquera (Katholische Universität des Nordens-UCN), Nancy Duman und Valeria Paz Canto von der Fundación Sphenisco Chile. In dem Meeting wurde zunächst die staatliche Handlungsstruktur beim RECOGE-Plan und die Rolle des Ausschusses vorgestellt. Anschließend definierten die Teilnehmer gemeinsam Zweck und vorrangige Aufgaben, Mindestregeln und Mechanismen hinsichtlich Mitgliedschaft sowie Formalien des Gremiums. Der Ausschuss will in Kürze die eigentliche Arbeit aufnehmen.
+++Rote Anzüge für Pinguine+++
Seit August letzten Jahres versorgt die Rettungsstation in Coquimbo, Nordchile, verletzte und kranke Meerestiere. Finanziert wurde die Sanierung und der Betrieb bis August 2026 von Sphenisco mit Unterstützung der Zoos in Dresden, Frankfurt und Halle. Ende September informierte der Betreiber, die NGO Conservación Humboldt, über das innovative Projekt „BodyCobre®-Schutzkleidung“ für Pinguine: „BodyCobre® ist ein therapeutisches Kleidungsstück aus Kupferfasern, das ursprünglich für Kleintiere entwickelt wurde. Es dient als physische Barriere zum Schutz von Wunden und Nähten, reduziert Selbsttraumatisierungen und verringert die Notwendigkeit, die Tiere während ihrer Genesung wiederholt zu manipulieren.“ Mit dem Projekt erreichte die Rettungsstation große nationale und internationale Aufmerksamkeit. In Deutschland berichtete der Stern und das Online-Magazin PETBOOK.
https://www.stern.de/panorama/wissen/natur/pinguine-in-chile--wie-rote-jaeckchen-ihr-ueberleben-sichern-sollen-38196274.html
https://www.petbook.de/wildtiere/warum-pinguine-anzuege-tragen
+++Auszeichnung für Sphenisco Chile+++
Die Fakultät für Meereswissenschaften der Universidad Católica del Norte-UCN hat die Fundación Sphenisco Chile als „Bedeutende Einrichtung“ 2025 ausgezeichnet. Die Fakultät würdigt jedes Jahr am Tag ihrer Gründung Studierende, Lehrende und Organisationen für ihre Arbeit und ihren Beitrag zur Universitätsgemeinschaft.
Dieses Jahr wurde auch die Fundación Sphenisco Chile und mit ihr die ganze „Sphenisco-Familie“ für das Engagement bei der Sanierung und dem Betrieb der Rettungsstation für Meerestiere in in Coquimbo ausgezeichnet. Den Einsatz für die Rettungsstation leistete die „Sphenisco-Familie“ in Kooperation mit der Universidad Católica del Norte (UCN), Sernapesca und der NGO Conservación Humboldt. Unterstützt wurde das Projekt von den Zoos in Dresden, Frankfurt und Halle.
Auf Facebook bedankte sich Nancy Duman „für die Auszeichnung und dafür, dass die Universität die gemeinsame Arbeit zum Schutz unseres Naturerbes würdigt“. Sie machte weiter deutlich, dass die öffentliche Ehrung Sphenisco bestärke, sich weiter für Umwelterziehung, Förderung wissenschaftlicher Forschung und den Schutz des Wahrzeichens desHumboldtstroms - den Humboldt-Pinguin – einzusetzen.
P E R U
+++Binationale Arbeitsgruppe Chile - Peru+++
Auf Initiative der NGO Oikonos, der Universität Científica del Sur Lima (Dr. Carlos Zavalaga) und Sphenisco gründeten Wissenschaftler, NGO´s und politisch Verantwortliche am 24. August 2026 eine binationale Arbeitsgruppe (Chile – Peru) zur Bewahrung der Humboldt-Pinguine.
Anlass war der alarmierende Rückgang der Population in Chile und Peru. Ziel ist es, die aktuelle Situation des Humboldt-Pinguins in beiden Ländern zu analysieren, Prioritäten für den Schutz zu identifizieren, Koordination und Kooperation zu verbessern sowie wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zu fördern. Siehe Artikel “Gemeinsam die Humboldt-Pinguine retten!” vom 11. September 2026.
E U R O P A
+++Neue Geschäftsführerin+++
Das Bewerbungsverfahren „Geschäftsführer“ ist abgeschlossen. Der Vorstand hat sich für Lisa Kern aus Karlsruhe entschieden. Frau Kern wird ihre Tätigkeit am 1. Dezember 2026 aufnehmen. Die Bewerberin hat den Bachelor im Studiengang „Biologie, Geographie und Pädagogik“ und befindet sich aktuell im Masterstudiengang. Vor und während ihres Studiums hat Frau Kern sich mehrere Jahre in der Zoopädagogik und verschiedenen Artenschutzprojekten engagiert.
+++Pinguintag im Regen+++
Am Samstag, den 1. August war es wieder soweit: Pinguintag im Zoo Halle. Kathrin Ballenthin und Conny Spretke, unterstützt von Renate und Christina vom Zooverein, informierten von 10 bis 16 Uhr über Humboldt-Pinguine und die Ursachen ihrer Bedrohung. Richtiger vielleicht: wollten informieren. Bis 15 Uhr regnete es "Bindfäden". Kathrin, Conny und Co. mussten mit „Sack und Pack“ umziehen, fanden Unterschlupf im aktuell leeren Elefantenhaus. Der Zufluchtsort lag etwas "um die Ecke". Unter diesen Umständen wurden nur wenige Besucher erreicht. Immerhin kamen ein paar Spenden zusammen, die vom Zooverein auf 300 € aufgestockt wurden. Dumm gelaufen. Nächstes Jahr wird das große Engagement wieder mehr Zuschauer erreichen!
+++12. Internationale Pinguin Konferenz+++
Vom 31. August bis zum 5. September 2026 fand die 12. Internationale Pinguin Konferenz auf Phillip Island, Milawul, Australien, statt.
Die Teilnehmer der Konferenz verabschiedeten die Erklärung „Pinguine warnen uns vor einem sich rasch verändernden Planeten“. Dieser Deklaration schloss sich die Fachgruppe Pinguin der IUCN an. (s. Artikel „Pinguine warnen uns (…)“ vom 15. September). Sphenisco bittet alle Mitglieder und Freunde die wichtige Deklaration zu verbreiten.
Isa Karbstein und Volker Eggert haben auf der Konferenz ein Poster über die Arbeit von Sphenisco präsentiert und einen spannenden Bericht verfasst, der in zwei Teilen präsentiert wird (s. die Beiträge „12. Weltpinguinkonferenz 2026 1. Teil und Teil 2“ jeweils 30. September 2026).
+++Artenschutztag im Zoo Karlsruhe+++
„Fighting Extinction – Wir kämpfen gegen das Artensterben“ war das Motto des großen Artenschutztages im Zoo Karlsruhe am 13. September 2026. 41 Organisationen, unzählige engagierte Menschen und ein gemeinsames Ziel: den Schutz unserer Artenvielfalt sichtbar zu machen und gemeinsam etwas zu bewegen. Auch in diesem Jahr durfte Sphenisco bei dieser Veranstaltung natürlich nicht fehlen. Das Angebot an die Zoogäste am Infostand direkt an der Pinguinanlage ging weit über ein reines Informationsangebot hinaus. Jeannine Schützendübe aus der Zooschule Landau hatte für die kleinen Zoogäste umfangreiches und spannendes Material rund um den Humboldt-Pinguin dabei, das zum Erfühlen, Erfahren und Staunen einlud. Materialien wie Federn, Eier oder Schädel, Fühlkästen rund um die Bedrohungsursachen oder Quizfragen für verschiedenste Altersklassen kamen nicht nur bei den Kindern gut an, auch Eltern und Großeltern staunten, rätselten mit und erfuhren viel über das Leben der Humboldt-Pinguine, ihre akute Bedrohung und die Arbeit von Sphenisco. Die wichtigste Take-Home-Message, die neben Jeannine Schützendübe auch Katja Resch, Nicole Bertram und Christina Schubert an die Zoogäste weitergaben: auch wenn uns in Deutschland ein riesiger Ozean und ein ganzer Kontinent von Chile und Peru trennen – jede*r kann zum Schutz der kleinen Frackträger beitragen!
Christina Schubert
+++Spenden, Spenden, Spenden+++
Nach den schweren Unwettern im Juli rief Sphenisco zu Spenden für besonders notleidende Menschen in der Pinguin Gemeinde La Higuera auf. Einige Mitgieder und Freunde sind dem Aufruf gefolgt und haben es mit den zweckgebundenen Spenden ermöglicht, weitere absolut notwendige Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen. Vielen Dank für die Solidarität!
Im August und September 2026 haben folgende Personen und Institutionen für die Artenschutzprojekte von Sphenisco sowie die notleidende „Pinguin Gemeinde“ gespendet: Teresa Salentin, Louis Condit, Claudia Keidies, Kathrin Ballenthin, Timm Spretke, Dudley Zoo England, Marc Fälker, Maria Zintl, Hans-Joachim und Irene Schatz, Zoo Frankfurt am Main, Manfred und Susanne Weis, Andrea Rohr, Stefanie Zielke, Zoo Dresden, Ilko Jung und Jona Meis. Allen ein herzliches Danke-schön!
W.K.
Anmerkungen
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
(1) Global Penguin Society, Tawaki Trust, Universität Otago, Neuseeland.
(2) Forschungsgruppe Humboldt-Pinguin, Santiago, Chile.
(3) Zentrum für Ökologie und nachhaltiges Management ozeanischer Inseln, Fachbereich Meeresbiologie, Universidad Católica del Norte, Coquimbo, Chile.
(4) ECOLAB, Tierökologie, Naturschutz und Wissenschaftskommunikation, Forschungs- und Technologiezentrum, Christian-Albrechts-Universität, Kiel, Deutschland.
(5) Veterinärmedizin, Fakultät für Agrarwissenschaften, Universität Alba, La Serena, Chile.
(6) Universität Andrés Bello (UNAB), Santiago, Chile.
(7) Centro de Estudios Avanzados en Zonas Áridas (CEAZA). Zentrum für Studien in Trockengebieten, Coquimbo, Chile.
(8) Corporación Nacional Forestal (CONAF). Dt. Nationale Forstgesellschaft in Chile, die auch für Naturschutzgebietezu ständug ist.






