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Pinguine warnen uns vor einem sich rasch verändernden Planeten

Erklärung der 12. Internationalen Pinguinkonferenz

Phillip Island / Milawul, Australien, 15. September 2026.

Pinguine leben an vorderster Front des Wandels der Umwelt.

Von den eisigen Meeren der Antarktis bis hin zu den gemäßigten und tropischen Küsten Australiens, Neuseelands, Afrikas und Südamerikas sind Pinguine für ihr Überleben auf gesunde Ozeane angewiesen. Wenn sich die Ozeane verändern, spiegeln sich die Folgen darin wider, wo Pinguine Nahrung finden, wann sie brüten, wie erfolgreich sie ihre Küken aufziehen und letztendlich, ob ihre Populationen wachsen oder schrumpfen.

Wissenschaftler und Naturschützer, die sich auf der 12. Internationalen Pinguinkonferenz auf Phillip Island / Milawul versammelt haben, dokumentieren tiefgreifende und an manchen Orten rasante Veränderungen in der Welt der Pinguine. Die Warnzeichen lassen sich immer schwerer ignorieren.

Pinguine sind einer zunehmenden Kombination von Belastungen ausgesetzt. Der Klimawandel verändert die Temperaturen des Meeres, Strömungen, die Verfügbarkeit von Beute und das Meereis. Gleichzeitig können Hitzewellen des Meeres, Extremwetterereignisse, Fischerei, Krankheiten, Umweltverschmutzung und Störungen die Populationen, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, sich anzupassen, zusätzlich belasten.

Diese Belastungen wirken sich unterschiedlich auf die Pinguine aus. Einige Arten und Populationen gehen rapide zurück. Andere ändern ihre Nahrungsgebiete, ihre Brutzeiten oder die Art und Weise, wie sie ihren Lebensraum nutzen. Einige bleiben stabil, und wieder andere profitieren möglicherweise vorübergehend von sich verändernden lokalen Bedingungen. Pinguine haben sich im Laufe der Evolution an Veränderungen der Umwelt angepasst, doch ihre Fähigkeit zur Anpassung ist nicht unbegrenzt.

Afrikanische Pinguine: eine deutliche Warnung. Der Bestand der afrikanischen Pinguine (Brillen-Pinguine) ist dramatisch zurückgegangen, da sich veränderte Meeresbedingungen, eine geringere Verfügbarkeit von Beute und die Konkurrenz durch die Fischerei ses Überleben zunehmend behindern. Ohne wirksame Schutzmaßnahmen – vor allem eine Umstellung auf ein ökosystembasiertes Fischereimanagement – sieht einer der bekanntesten Seevögel Afrikas bestenfalls einer ungewissen Zukunft entgegen, schlimmstenfalls dem Aussterben. Der zusätzliche Druck auf ihre Nahrungsressourcen durch den aktuellen Ausbruch des Sardinen-Herpesvirus (PHV) macht es umso dringender, die Nahrungsressourcen der Spitzenprädatoren besser zu schützen.

Antarktis: Eisabhängige Arten unter Druck. Kaiserpinguine sind für die Brut und Aufzucht ihrer Küken auf stabiles Meereis angewiesen. Das macht sie besonders anfällig für rasche Veränderungen in der antarktischen Umwelt. Auch Adélie- und Zügelpinguine reagieren auf erhebliche Veränderungen der Umwelt in verschiedenen Teilen dieses Kontinents. In diesen Gebieten führen weniger stabiles Eis sowie sich verändernde Muster von Schnee und anderen Niederschlägen zu häufigen Brutausfällen und Rückgängen der Bestände.

Die Galápagos-Inseln: Schwankungen im Extremfall. Am anderen Ende der globalen Verbreitung von Pinguinen leben Galápagos-Pinguine in einer naturgemäß extrem variablen marinen Umgebungen. Dort können Erwärmungen die Verfügbarkeit der Nahrung, von der die Galápagos-Pinguine abhängig sind, dramatisch verringern.

Südamerika: Die Bestände der Humboldt-Pinguine gehen stark zurück. Wissenschaftliche Teams aus Peru und Chile berichten für verschiedene Standorte Rückgänge der Bestände zwischen 60 % und 80 %. Das weist auf eine besonders besorgniserregende Situation für den Schutz der Humboldt-Pinguine in beiden Ländern hin, die durch Auswirkungen der Fischerei, Klimawandel und Vogelgrippe verursacht werden.

Extremereignisse können diese Lebensräume mit eindrucksvoller Geschwindigkeit verändern. Eine marine Hitzewelle kann Nahrungsnetze stören. Extreme Niederschläge, Hitze oder Schneefall können zu weit breiteten Brutausfällen führen. Ein vorzeitiger Verlust des Meereises kann Lebensräume für das Brüten zerstören, bevor Küken fähig sind, eigenständig zu überleben. Wenn solche Ereignisse wiederholt auftreten – oder mit Fischerei, Krankheiten, Umweltverschmutzung oder Störungen des Lebensraums einhergehen –, haben die Populationen kaum Gelegenheit, sich zu erholen, bevor die nächste Störung eintritt.

Es ist nicht ein einzelnes Ereignis, das Anlass zu höchster Besorgnis gibt, sondern die Richtung und das zunehmende Tempo des Wandels, der für viele Lebensräumen der Pinguine dokumentiert wird.

Pinguine sind besonders aussagekräftige Indikatoren für den Zustand der Ozeane, da sie zwei Welten miteinander verbinden. Wir können sie zählen und untersuchen, wenn sie an Land kommen, doch vieles, was über ihr Überleben entscheidet, geschieht weit außerhalb unseres Blickfelds auf See.

Wenn Beute verschwindet, sich die Ozeane erwärmen, das Meereis zurückgeht oder extreme Ereignisse an Intensität zunehmen, kehren die Folgen schließlich mit den Pinguinen an die Küste zurück – oder manchmal auch mit den Pinguinen, die nicht zurückkehren.

Langfristige wissenschaftliche Beobachtungen ermöglichen es uns, diese Warnsignale zu erkennen. Satelliten können Kolonien in abgelegenen Regionen der Antarktis orten. Ortungsgeräte zeigen, wohin Pinguine wandern und wo sie sich ernähren. Neue Technologien ermöglichen es uns, ihre Unterwasserwelt zu verstehen, während jahrzehntelange Beobachtungen des Bestands dabei helfen, natürliche Schwankungen von grundlegenden Umweltveränderungen zu unterscheiden.

Pinguine können uns nicht mit Worten sagen, dass sich ihre Welt verändert. Sie zeigen es uns.

Ihre Botschaft lautet jedoch nicht, dass die Zukunft vorbestimmt ist.

Die Wissenschaft zeigt auch, wo Maßnahmen etwas bewirken können. Während der Klimawandel globale Lösungen erfordert, kann die Verringerung anderer Belastungen den Pinguinpopulationen mehr Widerstandsfähigkeit in einer sich verändernden Umwelt verleihen. Nachhaltige Fischerei, der Schutz kritischer Nahrungs- und Brutgebiete, die Vorsorge gegen Krankheiten, die Verringerung von Störungen, ein wirksames Raubtiermanagement und langfristige Überwachung können die Widerstandsfähigkeit gefährdeter Populationen stärken.

Der Schutz der Pinguine bedeutet daher weit mehr als nur den Schutz ihrer Kolonien an Land. Er bedeutet, die marinen Ökosysteme zu schützen, von denen sie leben, und auf Warnsignale zu reagieren, bevor die Populationen einen kritischen Punkt erreichen.

Dies alles ist nicht nur eine Geschichte über Pinguine. Die Ozeane, von denen sie abhängig sind, regulieren unser Klima, produzieren Nahrung, stützen Volkswirtschaften und sichern Gemeinschaften auf der ganzen Welt.

Wenn Pinguine zu kämpfen haben, sollten wir aufmerksam werden. Ihre Warnung betrifft die Gesundheit unserer Ozeane und letztlich die Gesundheit unseres Planeten.

Unser Aufruf zum Handeln

Wissenschaftler und Naturschützer, die sich auf der 12. Internationalen Pinguinkonferenz versammelt haben, fordern dringende und entschlossene Maßnahmen. Das Zeitfenster zum Handeln schließt sich und die Pinguine sagen uns genau, wo wir ansetzen müssen:
- Emissionen schneller senken. Die Welt ist nicht auf Kurs, das Ziel des Pariser Abkommens zu   erreichen, und jeder Bruchteil eines Grads zählt für die Ozeane, von denen die Pinguine   abhängig sind.
- Stärkung wirksamer ökosystembasierter Ansätze zum Schutz der Beutetiere, auf die Pinguine   und andere Meeresräuber angewiesen sind. Das ist die dringendste Maßnahme, um das   Aussterben des afrikanischen Pinguins zu verhindern.
- Langfristige Forschung und Überwachung aufrechterhalten. Dank jahrzehntelanger Daten zum
  Bestand können wir zwischen natürlichen Schwankungen und einem System in der Krise   unterscheiden. Diese Wissenschaft muss geschützt bzw. ausgebaut und nicht gekürzt werden.
- Die internationale Zusammenarbeit stärken. Pinguine überschreiten Grenzen, Ozeane,
  Disziplinen und Zuständigkeitsbereiche. Ihr Schutz erfordert koordiniertes Handeln zwischen   Nationen, Wissenschaftlern und Organisationen des Naturschutzes.
- Maßnahmen zur Krankheitsvorsorge ergreifen. Neu auftretende Bedrohungen wie das
  Sardinen-Herpesvirus und die Vogelgrippe verschärfen den bestehenden Druck auf
  Pinguinpopulationen und ihre Beutetiere. Deshalb muss eine schnelle, koordinierte Reaktion auf
  Ausbrüche von Krankheiten zu einer Priorität des Artenschutzes werden.
- Wenn die Vogelgrippe eine Kolonie erreicht, muss die langfristige Überwachung fortgesetzt und   darf nicht eingestellt werden. Diese Programme sind wichtiger denn je, um die Auswirkungen zu   verstehen und wirksame Schutzmaßnahmen zu steuern.
- Schützen Sie kritische Lebensräume jetzt, bevor die Populationen einen kritischen Punkt
  erreichen. Nahrungs- und Brutgebiete müssen heute geschützt werden, nicht erst nach dem   nächsten Zusammenbruch der Population.

Pinguine können nicht darauf warten, dass die Welt in ihrem eigenen Tempo handelt. Ihre Populationen zeigen uns in Echtzeit, dass sich der Ozean schneller verändert, als es ihnen – und uns – lieb ist. Die Zeit, sie und Meeresökosysteme, von denen wir alle abhängig sind, zu schützen, ist jetzt.

Erklärung der 12. Internationale Pinguin-Konferenz (31. August - 4. September 2026) und der IUCN-Pinguin-Fachgruppe

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