News

Humboldt-Pinguinen auf der Spur - Feldforschung auf den Inseln Cachagua und Choros

Landau 11. September 2026.
Im Südfrühling 2025 haben die Forscher Dr. Ursula Ellenberg (1) und Maximiliano Daigre Valdés (2) erneut die Nahrungssuche von Humboldt-Pinguinen der Inseln Cachagua und Choros in Nordchile untersucht. Die Forschungen sind Teil der seit 2021 unter der Leitung von Dr. Alejandro Simeone (3) durchgeführten Untersuchungen zu Bestand, Bruterfolg und Nahrungssuche. Auftraggeber des mehrjährigen Forschungsprojekts ist Sphenisco, gefördert wird es von der Artenschutz-Stiftung Zoo Karlsruhe, dem Zoo Dresden und vom Förderverein Tierpark Hagenbeck. Ende Juni 2026 legten Ursula Ellenberg (1) und Maximiliano Daigre Valdés (2) einen Bericht über die Untersuchungen in der Zeit vom 21. November bis 13. Dezember 2025 vor. Der Bericht trägt den Titel „Humboldt-Pinguinen auf der Spur“ (4). Am 3. September 2026 berichtete Ursula Ellenberg auf der 12. Internationalen Welt-Pinguin-Konferenz in Australien ebenfalls über die Ergebnisse (5). Der folgende Text gibt die Zusammenfassung der Autoren sowie kurze Auszüge der vorläufigen Ergebnisse wider:

„Zusammenfassung
Vom 21. November bis zum 13. Dezember 2025 haben wir brütende Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldtii) auf den drei Inseln (Cachagua, Pajaros und Choros) in Chile untersucht. Insgesamt wurden 15 GPS-Tauchdatenlogger während der „Wachphase“ an erwachsenen Humboldt-Pinguinen befestigt, um die Wege auf See und das Tauchverhalten zu untersuchen. Auf der Insel Cachagua (21.–27. November) haben wir 10 GPS-Datenlogger sowie (zum ersten Mal!) zwei PenguCams eingesetzt. Die wenigen Pinguine, die wir bei der Zählung von Nestern auf der Insel Pajaros (4.–7. Dezember) fanden, hatten Schwierigkeiten, ihre Küken aufzuziehen. Der viele grüne Kot rund um die Nester deutete auf schlechte Nahrungsbedingungen hin. Die erwachsenen Tiere auf Pajaros wurden als zu mager für das Anbringen von Datenloggern eingestuft. Bei der Erfassung der Humboldt-Pinguin-Nester auf der Insel Choros (8.–12. Dezember) beschlossen wir spontan, fünf GPS-Tauchdatenlogger anzubringen, um die aktuellen Nahrungsbedingungen mit den umfangreichen Daten der Nachverfolgung aus dem Jahr 2022 vergleichen zu können. Alle Datenlogger konnten erfolgreich wiedergefunden werden.

Landau 11. September 2026. Im Südfrühling 2025 haben die Forscher Dr. Ursula Ellenberg (1) und Maximiliano Daigre Valdés (2) erneut die Nahrungssuche von Humboldt-Pinguinen der Inseln Cachagua und Choros in Nordchile untersucht. Die Forschungen sind Teil der seit 2021 unter der Leitung von Dr. Alejandro Simeone (3) durchgeführten Untersuchungen zu Bestand, Bruterfolg und Nahrungssuche. Auftraggeber des mehrjährigen Forschungsprojekts ist Sphenisco, gefördert wird es von der Artenschutz-Stiftung Zoo Karlsruhe, dem Zoo Dresden und vom Förderverein Tierpark Hagenbeck. Ende Juni 2026 legten Ursula Ellenberg (1) und Maximiliano Daigre Valdés (2) einen Bericht über die Untersuchungen in der Zeit vom 21. November bis 13. Dezember 2025 vor. Der Bericht trägt den Titel „Humboldt-Pinguinen auf der Spur“ (4). Am 3. September 2026 berichtete Ursula Ellenberg auf der 12. Internationalen Welt-Pinguin-Konferenz in Australien ebenfalls über die Ergebnisse (5). Der folgende Text gibt die Zusammenfassung der Autoren sowie kurze Auszüge der vorläufigen Ergebnisse wieder: „Zusammenfassung Vom 21. November bis zum 13. Dezember 2025 haben wir brütende Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldtii) auf den drei Inseln (Cachagua, Pajaros und Choros) in Chile untersucht. Insgesamt wurden 15 GPS-Tauchdatenlogger während der „Wachphase“ an erwachsenen Humboldt-Pinguinen befestigt, um die Wege auf See und das Tauchverhalten zu untersuchen. Auf der Insel Cachagua (21.–27. November) haben wir 10 GPS-Datenlogger sowie (zum ersten Mal!) zwei PenguCams eingesetzt. Die wenigen Pinguine, die wir bei der Zählung von Nestern auf der Insel Pajaros (4.–7. Dezember) fanden, hatten Schwierigkeiten, ihre Küken aufzuziehen. Der viele grüne Kot rund um die Nester deutete auf schlechte Nahrungsbedingungen hin. Die erwachsenen Tiere auf Pajaros wurden als zu mager für das Anbringen von Datenloggern eingestuft. Bei der Erfassung der Humboldt-Pinguin-Nester auf der Insel Choros (8.–12. Dezember) beschlossen wir spontan, fünf GPS-Tauchdatenlogger anzubringen, um die aktuellen Nahrungsbedingungen mit den umfangreichen Daten der Nachverfolgung aus dem Jahr 2022 vergleichen zu können. Alle Datenlogger konnten erfolgreich wiedergefunden werden. Alle Ortungsarbeiten wurden von Maximiliano Daigre und Ursula Ellenberg durchgeführt. Die Daten zur Nestzählung in der Brutzeit wurden bereits im Rahmen der allgemeinen Erhebung des chilenischen Bestandes in einem separaten Bericht vorgestellt (s. Artikel „Population (…) reduziert“, s. Artikel auf dieser Internetseite vom 25. März 2026). 1. Wir haben 17 brütende erwachsene Pinguine (8 Weibchen, 9 Männchen) mit Transpondern (Trovan, 11 mm) markiert und gleichzeitig 15 GPS-Tauchdatenlogger (AxyTrek, TechnoSmart, Italien, https://www.technosmart.eu/) angebracht. Die Logger erfassen die geografische Position (über einen GPS-Empfänger, Aufzeichnung jede Minute) und Tauchdaten (über einen Drucksensor, Aufzeichnung jede Sekunde). Außerdem wurden zwei hochauflösende Videokameras (PenguCam, Neuseeland, https://pengu.cam/) eingesetzt. 2. Die Pinguine auf Cachagua brüteten überwiegend in fragilen Erdhöhlen. Dagegen nisteten alle Vögel, die auf Choros mit GPS-Datenloggern ausgestattet wurden, unter Kakteen. Die Nester wurden nach ihrer Zugänglichkeit ausgewählt. D. h.: Wir haben darauf geachtet, benachbarte Pinguine nicht zu stören und Nester in der Nähe nicht zum Einsturz zu bringen. Alle für das Anbringen der Datenlogger ausgewählten Vögel befanden sich in gutem Zustand und versorgten gesunde, ein bis vier Wochen alte Küken. 3. Alle 17 Vögel wurden nach ein bis drei Tagen in gutem Zustand und mit ähnlichem Körpergewicht wie vor dem Anbringen der Geräte wiedergefunden. Ein Pinguin, mit einer „PenguCam“ ausgestattetes Männchen, verließ das Nest nicht. Das Weibchen versorgte die Küken an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit Futter. Alle Geräte konnten erfolgreich geborgen werden und lieferten – abgesehen von dem Männchen, das sich entschied, zu Hause zu bleiben – gute Daten. 4. Alle Vögel kümmerten sich auch nach Anbringen der Logger weiterhin um ihre Küken. Aufgrund schwieriger Wetterbedingungen und zeitlicher Beschränkungen besuchten wir die Inseln nicht erneut. Zuvor installierte Überwachungskameras mit Blick auf Brutplätze der Pinguine lieferten wertvolle Daten, die nun einer detaillierteren Analyse unterzogen werden, um ein besseres, umfassenderes Verständnis des Erfolges der Fortpflanzung auf der Insel Cachagua zu gewinnen. 5. Die Logger lieferte GPS- und Tauchdaten für 15 Vögel (7 Weibchen, 8 Männchen) von einzelnen Expeditionen zur Futtersuche (14 Expeditionen wurden für 10 auf der Insel Cachagua mit Loggern ausgestattete Vögel aufgezeichnet, 10 Expeditionen für 5 auf der Insel Choros ausgerüstete Vögel. Die mediane Dauer der Expeditionen betrug 14 Stunden (Bereich 1,2 – 27,6 Stunden). Die Dauer der Expeditionen war für beide Inseln vergleichbar. 6. Einzelne Vögel unternahmen pro Ausstattung mit Loggern ein bis drei Expeditionen zur Nahrungssuche. Die durchschnittlich zurückgelegten Strecken waren bei den Pinguinen von Cachagua (41,9 km, Spanne 5,6 bis 95,5 km) signifikant länger als die 34,5 Kilometer bei den Vögeln der Insel Choros (Spanne 3,2 km bis 57,5 km). 7. Insgesamt wurden 8.050 Tauchgänge bei den Cachagua-Pinguinen (N=10) und 4.779 Tauchgänge bei den Vögeln der Insel Choros (N=5) aufgezeichnet. Letztere tauchten im Durchschnitt tiefer und länger (s. Tab. 2 Zusammenfassung Parameter, s. PDF). Die auf Insel Choros brütenden Pinguine haben ihre Strategie der Nahrungssuche wahrscheinlich angepasst, um tiefer lebende und weniger dichte Beutevorkommen in den weniger produktiven Gewässern im Norden zu nutzen. 8. Die auf der Insel Cachagua eingesetzte PenguCam lieferte fünf Stunden hervorragendes Filmmaterial der Futtersuche. Die Aufnahmen zeigen eine Gruppe, bestehend aus mehreren Arten, vor dem Dorf Maintencillo, mit den Industriekomplexen von Quintero im Hintergrund. 9. Am Vormittag des 7. Dezember 2025 wurden wir Zeugen eines Routineeinsatzes der chilenischen Marine (Armada). Die Soldaten landeten auf der Insel Pajaros, um den Leuchtturm zu warten. Der Leuchtturm hatte während der vorausgehenden Nächte unseres Aufenthalts störungsfrei funktioniert. Vier Männer durchquerten die Insel, ohne Rücksicht auf brütende Vögel. So wurden Tausende brütender Tölpel aus ihren Nestern vertrieben. Das führte dazu, dass Hunderte von Eiern an Kelpmöwen verloren gingen und die betroffenen Paare ihre Brut vollständig verloren. 10. Wir empfehlen routinemäßige Wartungen im Bereich des Humboldt-Auftriebssystem, die das Anlanden von Personal auf Brutinseln von Seevögeln erfordern, auf die Zeit Ende März/Anfang April zu beschränken. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Vogelarten ihre Brutzeit abgeschlossen und die Pinguine ihre jährliche Mauser beendet. 11. Darüber hinaus empfehlen wir strengere Biosicherheitsmaßnahmen, um Übertragungen von Krankheiten zwischen den Inseln zu verringern. Als Wissenschaftler reinigen, waschen und desinfizieren wir unsere gesamte Ausrüstung zwischen den Besuchen verschiedener Inseln. Deshalb waren wir überrascht zu erfahren, dass die Marine plante, die Leuchttürme auf der Insel Damas und der Insel Chañaral am selben Tag mit derselben Ausrüstung zu überprüfen. (...) Vorläufige Ergebnisse (…) Ähnlich wie bei früheren Aufzeichnungen der Nahrungssuche (2022 und 2024) während der Brutwache suchten sowohl Humboldt-Pinguine der Insel Choros als auch die Pinguine der Insel Cachagua extrem nah an der Küste nach Futter. Die meisten Ausflüge fanden innerhalb von 8 Kilometer statt und der Großteil der Nahrungssuche erfolgte weniger als 5 Kilometer von der Küste entfernt (s. Foto „Bien Viejo“). Die Pinguine suchten ihre Nahrung überwiegend nah an der Oberfläche. Die durchschnittliche maximale Tauchtiefe war im Jahr 2025 sogar noch geringer als die, die wir im Jahr 2024 beobachtet hatten (10,1 m, Streuung 0,5 m bis 74,5 m). Alle Vögel suchten südlich der Insel Cachagua nach Nahrung, wobei der Großteil der Suche innerhalb von 20 Kilometer südlich der Brutinsel stattfand. Die beobachtete Ausrichtung nach Süden war zu erwarten, da Wind und Strömungen, die Informationen über die Verfügbarkeit von Beute transportieren, während des Zeitraums der Untersuchungen aus südlicher Richtung kamen. Für detailliertere Informationen besuchen Sie bitte unsere Website: https://www.penguintracking.org/humboldt/gps2025/?stage=Summer Interessanterweise und ähnlich wie im Jahr 2024 suchten fünf Vögel direkt vor der Bucht von Quintero (einem extrem industrialisierten Gebiet) nach Nahrung. Zweimal drangen Weibchen (Gris & Violetta Parra) sogar in die Bucht ein, um inmitten der industriellen Aktivitäten des Hafens nach Nahrung zu suchen (s. Foto Violetta Parra). Drei kräftige Männchen (Steinwälzer, Fortachon & Petro Pascale II), auf dem Weg nach Süden in Richtung des Mündungsgebietes des fischreichen Aconcagua, verbrachten bei der Suche nach Nahrung ebenfalls einige Zeit vor der Küste von Quintero. (…) Bemerkenswerterweise war es ein alter männlicher Humboldt-Pinguin mit dem Spitznamen „Bien Viejo“, der während drei aufeinanderfolgender Expeditionen ausschließlich vor Maintencillo nach Nahrung suchte (s. Foto „Bien Viejo“). An seinen Federn haftete viel Fett, das einen intensiven chemischen Geruch verströmte. Es ist unklar, ob sein „Alt“-Aussehen auf das fortgeschrittene Alter oder auf die Abnutzung der Federn aufgrund chemischer Belastung zurückzuführen war. Auf der Insel Choros beobachteten wir Verhalten bei der Futtersuche, das mit dem im Jahr 2022 beobachteten vergleichbar war: Die meisten Vögel suchten in unmittelbarer Küstennähe nach Nahrung (s. Foto „Confusa“). Das ließ Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Risikos bzgl. des Beifangs von Pinguinen durch die Küstenfischerei mit Kiemennetzen aufkommen. Eine Ausnahme bildete „Gruñón“ (mürrisch), ein großes Männchen. „Gruñón“ unternahm vom 9. bis 11. Dezember drei aufeinanderfolgende Tagesausflüge von jeweils 10–11 Stunden, um in den flachen Gewässern rund um die Insel Damas nach Nahrung zu suchen (s. Foto „Gruñón“). Es war ein großes Glück, dass wir ihn in der letzten Nacht unseres Aufenthalts auf der Insel wieder einfangen konnten. Er war beeindruckende 5,235 kg schwer und damit deutlich schwerer als zum Zeitpunkt der Ausrüstung, obwohl er seine Küken an diesem Abend bereits gefüttert hatte und zu einem ruhigeren, unbewohnten Nest in der Nähe weitergezogen war. „Gruñón“ machte seinem Namen alle Ehre und war ziemlich mürrisch, weil er sich wieder mit uns herumschlagen musste. Aber die Mühe hat sich gelohnt …“ W.K. Anmerkungen Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter. (1) Dr. Ursula Ellenberg. Global Penguin Society, Tawaki Trust, Universität Otago, Neuseeland. (2) Maximiliano Daigre Valdés. Forschungsgruppe Humboldt-Pinguin, Santiago, Chile. (3) Dr. Alejandro Simeone. Universität Andrés Bello (UNAB), Forschungsgruppe Humboldt-Pinguin, Santiago, Chile. (4) Humboldt-Pinguinen auf der Spur. Isla Cachagua und Isla Choros, Chile 21. November – 13. Dezember 2025. Feldforschungsbericht. (5) Living with the enemy: Humboldt penguins appear to defy fisheries and coastal development in central Chile. Dt.: Leben mit dem Feind: Humboldt-Pinguine scheinen der Fischerei und der Küstenbebauung in Zentralchile zu trotzen.

Hinweis

Alle Bilder sind Eigentum von Sphenisco e.V. bzw. den genannten Fotografen.

Eine Verwendung ist nur nach Rückfrage und Genehmigung zulässig.