Sphenisco-Jahrestreffen unter dem Motto „Für Vielfalt gegen Einfalt“

Saarbrücken 13. Juli 2019.
 
JahrestreffenWie üblich hatte Sphenisco am letzten Junisamstag, der dieses Jahr auf den 29. fiel, um 13:30 Uhr zum Jahrestreffen in die Landauer Zooschule eingeladen und - wie in den letzten Jahren üblich – war es mir ein Anliegen, auch dieses Jahr wieder mit dabei zu sein. Diesmal fand ich Begleitung in Sandra Schick, einer Kollegin aus der Saarbrücker Zoopädagogik. Durch diverse Baustellen und Sperrungen aufgehalten, erreichten wir den Landauer Zoo leider erst eine Stunde nachdem das Treffen schon begonnen hatte.

So verpassten wir die Begrüßung und die Darstellung der aktuellen Situation in Nordchile von Nancy Duman via Skype. Nancy ist, wie allen Eingeweihten sicherlich bekannt, die hoch engagierte Sphenisco-Vertreterin vor Ort, die dank ihrer guten Vernetzung stets die richtigen Ansprechpartner zu kontaktieren weiß. Leider hat sich die Situation bzgl. der geplanten Großprojekte durch den Regierungswechsel in Chile nicht zum Gute gewendet. Bei unserem Eintreffen so gegen 14:30 Uhr ergänzte Gabriele Knauf den Lagebericht. Interessant ist vor allem, dass sich an der neu gegründeten „Alianza Humbodt“ - unter diesem Namen haben sich viele der engagierten Organisationen, wie z.B. Modema, vor Ort zusammengetan - auch die Ärztekammer der Region beteiligt hat.
Gabriele Knauf berichtete weiterhin über die Aktionen auf peruanischer Seite, wo es durch die Organisation Acorema Aktionen in Schulen gibt, bei der unter anderem Wandbilder – in Südamerika „Murales“ genannt – geschaffen werden, die auf die Situation der Humboldtpinguine aufmerksam machen sollen. Im Anschluss holte der Landauer Zoodirekter Dr. Jens-Ove Heckel seine Begrüßung nach und stellte bei seinem Dank an den Verein die Begeisterung für die Humboldtpinguine aller Sphenisco-Mitglieder in den Vordergrund. Er stellte in Aussicht, die Unterstützung für Sphenisco durch den Landauer Zoo weiter auszubauen. Gabriele Knauf gab den Dank an Dr. Heckel zurück.
 
Nach einer ausgiebigen Kaffeepause schilderte Nicole Bertram die Entstehungsgeschichte ihres Trickfiles „Flaschenpost“ und gab den Zuhörern Einblicke in die komplizierten Vorarbeiten zu einem solchen Film von 5 Minuten, für den mehr als 300 Arbeitsstunden aufgebracht wurden. Natürlich wurde auch der fertige Film gezeigt. Dieser ist für jeden frei zugänglich über die Sphenisco-Internetseite abrufbar (https://vimeo.com/337390003) und für nicht kommerzielle Zwecke einsetzbar.
 
Eine weitere neue Errungenschaft ist der jetzt käuflich erwerbbare „Pinguinwein“ der Familie Ramsel, mit dem nicht nur für den Schutz der Humboldtpinguine geworben werden kann, sondern der auch noch 1 € pro verkaufter Flasche in die Kasse von Sphenisco spült. Andrea Ramsel schilderte, wie es zu diesem Projekt kam. Zufällige Begegnungen am richtigen Ort zur richtigen Zeit führten dazu, dass sie als bildende Künstlerin ein Ölgemälde eines Humboldtpinguins schuf, das jetzt das Etikett des „Spheniscoweines“, eines Weißburgunders aus dem familieneigenen Weingut, ziert. Im Mai und Juni wurden bereits 300 Flaschen dieses ganz besonderen Weines verkauft. Im Rahmen eines Weinpräsentes wird der Wein auch an die deutsche Antarktis-Forschungsstation gesandt.
 
JahrestreffenDanach stellte Sabrina Linn die neue Anlage für Humboldtpinguine des Frankfurter Zoos vor. Die Zoodirektion hatte sich entschieden von den vorher dort gehaltenen subantarktischen Pinguinen aus energietechnischen und Klimaschutzgründen zur Haltung von Humboldtpinguinen zu wechseln. Die Anlage mit einer Fläche von 2000 m² wurde in einer zweieinhalbjährigen Bauzeit fertiggestellt und am 06.05.2019 eröffnet. Für 7,5 Millionen € erhielten die momentan 25 Tiere ein neues Zuhause. Das Wasserbecken mit einer Tiefe bis zu 3 m fasst 435 m³. Eine Besonderheit der Anlage ist, dass jede Bruthöhle einen Anschluss an das öffentliche Kanalnetz der Stadt Frankfurt hat, was das Säubern durch die Tierpfleger erheblich erleichtert. Die Tiere sind mit Flügelclips namentlich markiert. Eine weitere Besonderheit ist die Vergesellschaftung im Wasserbereich mit derzeit zwei Stören.
 
Dr. Christine Schubert, die zweite Vorsitzende von Sphenisco, trug die europaweiten Aktivitäten des Zeitraumes seit der letzen Zusammenkunft im Juni 2018 zusammen. Vom Artenschutztag in Karlsruhe über den NRW-Partnerzootag hin zum Weltpinguintag, der in Dresden, Mannheim, Bochum, Karlsruhe, Landau und Saarbrücken, aber auch mit dem „Marcha del Pinguino“ in Chile begangen wurde, reichten die Aktionen in die Sphenisco eingebunden war (s.a. Artikel „Weltpinguintag – Panorama 2019“). Die Vorstellung des Pinguinweines in Landau und die Eröffnung der neuen Pinguinanlage in Frankfurt sowie das folgende Pinguinfest waren weitere Ereignisse, bei denen Sphenisco genauso Flagge zeigen konnte wie am Artenschutztag in Landau, an dem der Wein für die Antarktisforschungsstation übergeben wurde und Schüler aus Chile mit Senioren aus Landau skypten.
 
Christina Schubert berichtete weiterhin, dass jetzt auch der Zoo Frankfurt und der Peak Wildlife Park, GB, in die Reihen der Sphenisco-Mitgliedzoos gehören. Außerdem gibt es fünf neue Privatpersonen auf der Mitgliederliste. Somit weist das Mitgliederverzeichnis von Sphenisco nun 71 Privatpersonen, 24 Zoos und 2 Institutionen auf. Meine Begleiterin aus Saarbrücken füllte im Laufe der Versammlung ebenfalls den Mitgliedsantrag aus.
 
Nach einer weiteren Kaffeepause, die sich alle Teilnehmer redlich verdient hatten. Begann um 17:30 die Mitgliederversammlung des Vereines. Neben den üblichen Vereinsformalitäten, die hierbei abgearbeitet werden mussten, waren vor allem die neuen Vorhaben interessant. Geplant sind ein Umweltbildungsprojekt in Chile, zu dem der Verein einen Lehrer und/oder Künstler einstellen möchte, die Unterstützung für ein neues Pinguingehege am Museum in San Antonio, Chile, die Unterstützung der Zählung der real existierenden Pinguine im Humboldt-Archipel sowie die Unterstützung zur Erstellung eines Gutachtens über die geplante Meeresschutzzone. Eine ganz besondere Idee ist die Gründung von Sphenisco e.V. – Chile, denn damit bekäme der Verein als Inlandsorganisation ganz andere Möglichkeiten bzgl. Interventionen als sie einem aus dem Ausland agierenden Verein zustehen. Wie man sieht, gehen den Sphenisco-Aktiven die Ideen nicht aus und das ist bei der derzeitigen Situation in Südamerika auch von Nöten. Hierbei hilft natürlich auch das finanzielle Polster, auf das der Verein zum Glück zurückgreifen kann.
 
JahrestreffenDie sehr informative Versammlung klang am Abend mit einem gemeinsamen Essen im Restaurant „Goldener Engel“ in Edesheim gemütlich, aber natürlich mit weiteren Diskussionen über Humboldtpinguine aus. Eine nette Begebenheit, die ausnahmsweise nichts mit Pinguinen zu tun hatte, ereignete sich am Rande: Der Weingutbesitzer Ramsel schaffte es, dem erfahrenen Kellner klarzumachen, das mit dem ausgeschenkten Bier etwas nicht in Ordnung ist. Großzügig wurden sofort alle bereits gebrachten Biere gegen neue ausgetauscht, die dann allen wirklich schmeckten.
 
Wohlbehalten erreichten wir nach einem erneuten Umweg – diesmal über Neustadt und Hochspeyer das Saarland und ich konnte meine Kollegin, auf die am nächsten Morgen zeitig ein Kindergeburtstag im Zoo wartete – wie vorher versprochen – Punkt 24:00 Uhr vor ihrer Haustür absetzen.
 
Dr. Ralf Kohl, Saarbrücken
   
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