Kampagnen gegen die Umweltzerstörung

Gouverneure nennen zerstückelte Meeresschutzzone "unangemessen".

Allianza HumboldtAm 22. Dezember hat der Ministerrat für Nachhaltigkeit die Schaffung einer Schutzzone im Meeresgebiet Humboldt-Archipel gebilligt. Damit spitzt sich nach dem Drängen des Corte Suprema auf einen Vergleich in der Sache Verladehafen „Dominga“ der Kampf um die Rettung des wertvollen Ökosystems weiter zu (s.a. Darf es 10 Prozent mehr Zerstörung sein?.

Dieser Beitrag ist eine ungekürzte Übersetzung des Artikels „Gobernadores de Atacama y Coquimbo califican de “improcedente” que Área Marina Protegida haya dividido Archipiélago de Humboldt“ aus der Online-Zeitung El Observatodo.

Santiago 23. Dezember 2021.

Die überraschende Ankündigung des Ministerrats für Nachhaltigkeit ignoriert den Plan, den die Regionalregierungen von Coquimbo und Atacama gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden entwickelt haben. Ziel des Planes ist es u.a., die Ansiedlung von Industrien mit starken Auswirkungen auf die Umwelt im Reservat Humboldt-Archipel zu unterbinden.

Unvermittelt hat der Ministerrat ein Küstengebiet von der nördlichen Grenze von La Serena bis zur nördlichen Grenze der Region Coquimbo als Schutzzone mit Mehrfachnutzung genehmigt. Dabei blieb der Teil des Ökosystems, der in der in der Region Atacama liegt, unberücksichtigt. Die Gouverneure beider Regionen stellen das Vorgehen des Ministerrats, der Exekutive, in Frage.

Darf es 10 Prozent mehr Zerstörung sein?
- Corte Suprema setzt Termin für Vergleich an -

Landau, Santiago 5. Dezember 2021.

Am 29. und 30. November fanden vor der 3. Kammer des Corte Suprema die Anhörungen in Sachen Bergbau- und Hafenprojekt Dominga statt. Die Anhörung wurde live übertragen.

Chronologie

Es ist schwierig, im unendlich langen Dominga-Zyklus im Blick zu behalten, worum es geht:

- 2017 lehnten sowohl die Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung von Coquimbo als auch das Ministerkomitee das Bergbau- und Hafenprojekt Dominga mit der Begründung ab, das Vorhaben berücksichtige nicht ausreichend die Bedingungen des marinen Ökosystems und unterschätze daher die Auswirkungen auf eines der artenreichsten Ökosysteme im gesamten Humboldtstrom.

Erste Bilder vom Projekt „Forschung fürs Überleben“

 Landau 28. November 2021.

Die Forschungsarbeiten in Chile haben begonnen (1). Die Gruppe um Dr. Guillermo Luna (Universität Coquimbo), die das Monitoring durchführt, hat auf den Inseln Choros 80 Nester und auf Chañaral 40 Nester markiert und dokumentiert das Brutgeschehen in den Nestern.

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit wird erweitert.

 Landau 25. November 2021.

Die letzten 2 Jahre waren in Chile sehr turbulent. Im Oktober 2019 protestierten Millionen Chilenen gegen soziale Ungleichheit und forderten eine neue Verfassung. Die Massenproteste mündeten in einem Referendum und Wahlen von Abgeordneten für eine verfassungsgebende Versammlung. Am letzten Wochenende waren in Chile Präsidentschaftswahlen. Auch ein neues Parlament und Teile des Senats wurden neu gewählt. Die Wahl des neuen Präsidenten wird in einer Stichwahl am 19. Dezember entschieden. Chile befindet sich in einem politischen und sozialem Umbruch mit ungewissem Ausgang. Das gilt auch für die Auswirkungen auf den Schutz der Umwelt und der Natur.

„Dominga“ die große Täuschung - Weltnaturerbe als Spekulationsobjekt

 Landau 15. September 2021.

Grundlage dieses Beitrages ist der Artikel „Dominga, el Gran Engaño: ex Jefe de la Unidad de Geología de CMP afirma que Proyecto No es Viable Económicamente“ in der Online Zeitschrift „Voceríal virtual“ (1). Der Artikel fokussiert auf die Aspekte „Qualität der Erzvorkommen“, „Produktionskosten“ und „Historie der Mine Dominga“. Entlang dieser Stichworte wird das Interview der chilenischen Jornalistin Lucía Escobar mit dem Geologen Mario Rojo Lara zusammengefasst. Auch andere Medien wie z.B. ElDesconcierto.cl. (2) und Diario la Region de Coquimbo (3) veröffentlichten das Interview.

2013 beantragte die Firma Andes Iron das Bergbau- und Hafen-Projekt „Dominga“ in der Region Coquimbo, Nordchile. Das Projekt gefährdet eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt und wird seither von Natur- und Umweltschützern entschieden bekämpft. Andes Iron wirbt auf seiner Website (4) damit, hochwertige und wettbewerbsfähige Eisenerz- und Kupfer-Produkte zu produzieren. Die Investitionskosten, werden dort mit 2,5 Milliarden Dollar beziffert. Mitte August berichtet die Online-Zeitung Vocería virtual (1), dass diese Angaben falsch sind. Die chilenische Zeitung stützt sich bei der Veröffentlichung auf Untersuchungen und Expertise des Geologen Mario Rojo Lara. Der Experte für Uran- und Eisenerzbergbau, ein erfahrener und anerkannter Fachmann, arbeitete 11 Jahre lang bei der chilenischen Kernenergiekommission (CCHEN) und 32 Jahre lang bei der Compañía Minera del Pacífico (CMP), dem größten Eisenerzproduzenten an der amerikanischen Pazifikküste. Bei CMP war er ein Jahrzehnt lang Leiter der geologischen Abteilung, bevor er in den Ruhestand ging.

Nein zum Ökozid - #NoaDominga

 La Serena 15. August 2021.

Am Mittwoch, 11. August 2021 genehmigte die Kommission für die Umweltverträglichkeitsprüfung (COEVA) der Region Coquimbo - zum Erstaunen des ganzen Landes - in einer außerordentlichen Sitzung mit 11 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme das Bergbau- und Hafenprojekt Dominga der Firma Andes Iron. Und das obwohl vier Organisationen der Zivilgesellschaft gegen das im April dieses Jahres in dieser Sache ergangene Urteil des Umweltgerichts Antofagasta Berufung beim Corte Suprema (Oberster Gerichtshof) eingelegt haben. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs steht noch aus. Zum ersten Mal bestätigt damit diese Kommission ein Projekt, ohne die Entscheidung des Corte Suprema abzuwarten.

Das Umweltgericht Antofagasta hatte die Berufung des Bergbauunternehmens akzeptiert und die COEVA (Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung) angewiesen, auf der Grundlage des früheren Bewertungsberichts (ICE) erneut über das Projekt abzustimmen. Mit anderen Worten, die Abstimmung zu wiederholen und die beiden Ablehnungen des Projekts, die erste im März 2017 durch die Regionalregierung und die zweite im August desselben Jahres durch das Ministerkomitee, aufzuheben (Anm.).

Forschung fürs Überleben

 Landau 4. Juni 2021.

Wie viele Humboldt-Pinguine gibt es noch in Chile? Brüten sie erfolgreich? Wo finden sie genug Futter? Offene Fragen, die entscheidend für das Überleben dieser Pinguinart sind.

2019 appellierte die Conservation Planning Specialist Group (CPSG) der IUCN an Forscher, so wesentlichen Fragen nachzugehen und diese Wissenslücken zu schließen. Mit renomierten chilenischen und neuseeländischen Forschern plant SPHENISCO ein insgesamt 6-jähriges Forschungsprojekt. Dr. Alejandro Simeone (Universität Andrés Bello, Santiago) wird Zählungen auf den 8 wichtigsten Brutinseln in Chile durchführen, Dr. Guillermo Luna (Universität Católica del Norte, Coquimbo) den Bruterfolg auf den Inseln Chañaral und Choros untersuchen und das Forscherpaar Dr. Ellenberg und Dr. Mattern (NZ Penguin Initiative, Universität von Otago, Dunedin, Neuseeland) Daten zur Nahrungssuche erheben. Gefördert wird das Forschungsvorhaben von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe, vom Zoo Dresden und von den Freunden des Tierparks Hagenbeck in Hamburg.

Warten auf eine Entscheidung

Landau 25. April 2021.

Man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll. Die neue Entscheidung des Umweltgerichts Antofagasta vom 16. April 2021 in Sachen Bergbau- und Hafenprojekt „Dominga“ erinnert an absurdes Theater. Wir erinnern uns. 2017 hat die Regional-Regierung Coquimbo und das Komitee der Minister (1) das Projekt „Dominga“ abgelehnt. Gegen die Entscheidungen hat die Firma Andes Iron beim Umweltgericht Antofagasta geklagt und Recht bekommen. Umweltschützer fochten dieses Urteil Ende Februar, Anfang März 2019 vor dem obersten Gerichtshof in Santiago erfolgreich an. In seiner Begründung stellt der oberste Gerichtshof damals fest, dass die meisten Argumente der Kritiker des Projektes stichhaltig seien. Das Gericht verwies das Verfahren an den Umweltgerichtshof in Antofagasta zurück und forderte diesen auf, sich mit den tatsächlichen Bedingungen des Projektes und den fachlichen Gegenargumenten auseinanderzusetzen. Im März 2020 wurde der Streitfall also nochmals in Antofagasta verhandelt und entschieden. Veröffentlicht hat das Gericht sein Urteil aber erst jetzt am 16. April 2021. Ein ganzes Jahr später!!?? Erneut entschied das Gericht zu Gunsten von Andes Iron und ordnete eine neue Abstimmung in der regionalen Umweltbewertungs-Kommission von Coquimbo an. In einer Erklärung kritisiert Alianza Humboldt (2), der auch SPHENISCO angehört, die Entscheidung und beleuchtet die Perspektiven des Rechtsstreits.

   
© SPHENISCO

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