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10 Jahre Sphenisco e.V. - Hat sich die Arbeit gelohnt?

Hannover 10. Juli 2018.

Seit einiger Zeit ist ein fester Bestandteil unserer Jahresplanung die Versammlung von Sphenisco e.V. immer am letzten Wochenende im Juni.

Wie kam es eigentlich dazu? Nach einer Antarktisreise entdeckten wir, sensibilisiert für Pinguine, im Pinguinmuseum Cuxhaven einen Flyer von Sphenisco e.V. Wir baten, nachdem wir die Homepage durchgelesen hatten, um Aufnahme. Humboldtpinguine hatten wir in der Antarktis zwar nicht gesehen, aber letztlich geht es um die ganze Spezies, oder?

Was treibt uns nun an, einmal im Jahr in die Pfalz zu reisen, bei bestem Sommerwetter den Nachmittag in der Zooschule des Landauer Zoo zu sitzen und zu hören, was für die Humboldtpinguine getan werden konnte, damit sie ihren Lebensraum nicht verlieren?

Die diesjährige Versammlung war gleichzeitig der erste runde Geburtstag, Sphenisco wurde 10 Jahre alt. Nun könnte man sagen, das ist ja noch jung. Ja das könnte man, aber man könnte auch sagen 10 Jahre harte Arbeit. Menschen investieren ihre Lebenszeit, damit am anderen Ende der Erde, in Chile und Peru, eine Spezies nicht ausstirbt, die ihnen am Herzen liegt. 10 Jahre lang immer hin und her gerissen zwischen Hoffnung, Bangen, Freude und Niederlagen. Und gerade dann ist das Weitermachen schwer, aber von Aufgeben war noch nie die Rede. Es war an der Zeit Bilanz zu ziehen, zurück zu schauen, aber natürlich auch nach vorn. Da wir nicht von Anfang an dabei waren, war die Rückschau, wie alles begann, für uns besonders spannend.

In der Zooschule sitzen wir auf Stühlen und an Tischen, wie in der Schule eben. Der Raum ist bis an die Decke mit positiver Energie gefüllt. Wäre sie sichtbar, könnte man sie umher wabern sehen. Allein um das erleben zu können, lohnt es sich nach Landau zu fahren. Gemeinsame Interessen haben eine so verbindende, energetische Wirkung, vielleicht ist es ja auch das, warum niemand jemals ans Aufgeben gedacht hat.

Gegründet wurde der Verein weil Horst George (Fundación Otway) seine Arbeit bei den Pinguinen in Chile beendet hatte. Und was nun? Das Hauptbrutgebiet der Humboldtpinguine war in Gefahr, da 3 Kohlekraftwerke genau dort gebaut werden sollten. Also wurde in die Hände gespuckt, Gabriele und Werner Knauf mobilisierten Mitstreiter und Sphenisco e.V. schlüpfte aus dem Ei. In den ersten Jahren ging es darum, sich einen Namen zu machen. So einfach ist es nicht, als kleiner deutscher Verein um die Ecke zu kommen und den Chilenen zu sagen was Sache ist. Das funktioniert natürlich nicht. Es bleibt eine Gratwanderung zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Erhaltung der Natur. Seit einigen Jahren arbeitet Nancy Duman vor Ort in Chile und übernimmt die Kommunikation mit Politikern, aber auch mit den einfachen Fischern. Mittlerweile ist Sphenisco anerkannt und wird von den örtlichen Umweltorganisationen um Hilfe und Rat gefragt. Galt es in den ersten Jahren zu verhindern, dass Kohlekraftwerke in einer Gegend mit hoher Biodiversität errichtet werden, wird nun darum gekämpft, dass dort eben keine Industriehäfen gebaut werden. Seit vielen Jahren geht es außerdem darum, eine Meeresschutzzone einzurichten, wo wirtschaftliche Interessen ein für allemal draußen bleiben müssen. Das scheint solche Entscheidungen weltweit so schwer zu machen. Na klar müssen die Menschen ihre Arbeit und ihr Einkommen haben.

Damit die Humboldtpinguine auch in Zukunft nicht von dieser Erde verschwinden, müssen wir ihnen ihren Lebensraum erhalten. Automatisch überleben eine Menge anderer Tiere und Pflanzen mit, die genauso Teil eines großen Ganzen und unverzichtbar sind. Mit der Zerstörung der Meere, aber auch der Regenwälder berauben wir uns systematisch unserer Lebensgrundlage, es verschwinden ganze Ökosysteme und die darin lebenden Tiere. Ob nun die Orang Utans in den Regenwäldern Indonesiens, die Eisbären in der Arktis oder die Humboldtpinguine im Meer, sie alle sind Opfer des menschlichen Eingriffs in die Biodiversität. Ihr Schicksal wird zum Symbol möglicherweise aller Tierarten, einschließlich unserer eigenen Art.

Und so wird auch im elften Spheniscojahr um die Einrichtung einer möglichst großen Meeresschutzzone gekämpft. Die Entscheidung, ob die Industriehäfen gebaut werden dürfen, wird derzeit von Gerichten entschieden. Da kann man nur die Daumen drücken, dass diese Gerichte nicht ausschließlich an die wirtschaftlichen Interessen denken. Außerdem wird ein „Pinguinkrankenhaus“ unterstützt, wo verletzte und geschwächte Tiere gesund gepflegt und wieder ins Meer entlassen werden.

Jedes Jahr wieder hören wir über die tollen Aktionen, die mit Kindern durchgeführt werden. Mein persönliches Lieblingsprojekt ist in Peru. Dort wird von einem ganz kleinen Verein mit soviel Herzblut den Kindern beigebracht, wie wichtig es ist die Natur zu erhalten. Es werden Lehrer fortgebildet, damit sie wiederum ihre Schüler unterrichten können. Ferienaktionen machen doppelt Sinn, die Kinder sind von der Straße weg und lernen was fürs Leben. Die putzigen Pinguine eignen sich hervorragend als Herzöffner. Dabei geht es doch um das große Ganze.

Hier in Europa passiert auch so einiges. Gerade im letzten Jahr wurden sehr viele Unterschriften gesammelt, um zu zeigen, die Welt schaut auf euch in Chile. Der Pinguintag am 25.4. oder die Wochenenden davor und danach werden von immer mehr Tiergärten genutzt, um auf das Schicksal der frei lebenden Brüder und Schwestern der Humboldtpinguine aufmerksam zu machen. So lauschten wir wieder den Berichten, was sich im letzten Spheniscojahr alles zugetragen hat. Wir staunten über den Kassenbericht, mit was für einer erheblichen Geldsumme gearbeitet werden kann und wie sorgsam damit umgegangen wird. Wir lieben es Teil dieser tollen Sphenisco Familie zu sein, uns zu diesen engagierten Menschen dazu zählen zu dürfen. Wir freuen uns jetzt schon darauf, euch alle nächstes Jahr wieder zu sehen, um hoffentlich gute Nachrichten für die Humboldtpinguine zu hören. Auch wenn in der Vergangenheit die Nachrichten nicht immer gut waren, 10 Jahre Sphenisco e.V. und die Humboldtpinguine gibt es noch in ihrem natürlichen Lebensraum - das ist doch eine gute Nachricht, oder?

Und sollte irgendwann einmal doch der Fall eintreten, dass alle Bemühungen um die Humboldtpinguine nicht gereicht haben, dann kann uns keiner vorwerfen, wir hätten es nicht wenigstens probiert. Den 10-jährigen Geburtstag haben wir auf der Festwiese vom Landauer Zoo mit einem leckeren Grillbuffet, inspirierenden Gesprächen und jeder Menge Spaß im Sonnenuntergang ausklingen lassen. Nancy Koßmann, Tierpflegerin im Landauer Zoo und 3. Vorsitzende des Berufsverband der Zootierpfleger (BdZ), hat stellvertretend für den Verband der Tierpfleger einen Scheck zum runden Geburtstag überreicht. Somit nimmt die Reise ins elfte Vereinsjahr an Fahrt auf. Es wird weiter gemacht, gekämpft immer mit dem festen Glauben daran, die Verantwortlichen überzeugen zu können, dem Humboldtpinguin seine Chance aufs Leben zu lassen.

Birgit Roth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Acorema 2018

Landau 6. Juli 2018.
 
AcoremaSeit 2010 kooperiert Sphenisco mit der peruanischen NGO Acorema. Seither führen die Peruaner regelmässig im Auftrag von Sphenisco Bildungskampagnen durch unter dem Motto „Queremos vivir – wir wollen leben“. Die Arbeit war zunächst auf die Region Pisco/Paracas beschränkt, wurde in den letzten Jahren auf die Region Chincha und zuletzt auf die Region Nazca erweitert. Markenzeichen der Arbeit war von Anfang an die intensive Kooperation mit Schulen und Vorschulen, die Aktionen auf öffentlichen Plätzen, die Gespräche mit Kleinfischern Vorort, die Ferienworkshops und die hochwertigen Medien wie z.B. Flyer, Maskottchen Pisko, Puppentheater usw.. Die Medien sind nicht nur informativ und ansprechend, sondern vor allem perfekt auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmt. Basis der Arbeit war und ist die über viele Jahre gewachsene intensive Vernetzung mit Schulen, Kommunen, dem Nationalpark Paracas und Kleinfischerorganisationen.
Im zurückliegenden Jahr hat Acorema seinen Wirkungsbereich erneut erweitert und ist jetzt auch in der Region Nazca tätig, um für den Schutz des „Reserva Nacional San Fernando“ zu sensibilisieren, einem Gebiet mit hoher Biodiversität und einer bedeutenden Humboldtpinguin Brutkolonie. An 8 Schulen wurden bereits 871 Schüler und 37 Lehrer erreicht. Acorema hat die Medien wie Flyer, Maskottchen (Fernando statt Pisko) und Lehrbuch für Lehrer usw. an die neuen Gegebenheiten angepasst.
 
 In den Regionen Pisco/Paracas u. Chincha war ein Schwerpunkt der Arbeit das Thema „Müll“, speziell Plastikmüll. Mit 7 Schulen wurden Strände gereinigt und mit den Kindern auf höchst kreative Weise aus dem Müll Gebrauchsgegenstände wie Spielsachen oder Blumenampeln geschaffen. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Entsorgungsbetrieben wirbt Acorema inzwischen auf Müllfahrzeugen und -tonnen für Müllvermeidung und warnt vor den Gefahren des Plastikmülls.
 
Insgesamt konnte Acorema im letzten Jahr 6.800 Menschen für Umweltprobleme sensibilisieren, die kleine Bilder-Strecke illustriert ganz gut die Arbeit der peruanischen NGO.
W.K.

 

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Consejo Consultivo

Landau 5. Februar 2018.

Consejo Consultivo Conjunto de Reserva Nacional Pingûino de Humboldt y Reserva Marina Choros-Damas ist der Beirat des Nationalen Schutzgebietes und der kleinen Schutzzonen des Humboldt-Pinguins in der Region „La Higuera–Insel Chañaral“. Dem Beirat gehören staatliche Institutionen wie die CONAF und Sernapesca, Wissenschaftler der Universitäten von La Serena und Coquimbo, Kleinfischer-, Kleinbauern- und touristische Vereinigungen sowie NGO´s an. Geleitet wird das Consejo von Rosa Rojas.

Aufgabe

Aufgabe des Consejo Consultivo (Beirates) ist es, die Bürger – auch in Form ihrer Organisationen - sowie Wissenschaftler bei Aktionen zu beteiligen, die zur Bewahrung der geschützten Arten und ihrer Lebensbedingungen beitragen. Dazu gehört u.a. die regelmässige Information über die Bedeutung der Meeresregion La Higuera/Isla Chañaral. Unter Beteiligung der Bürger ist es dem Consejo Consultivo in den vergangenen Jahren gelungen, die touristischen Aktivitäten im Nationalen Schutzgebiet zurückzudrängen und Massnahmen durchzusetzen, den Tourismus nachhaltiger zu organisieren. Der Beirat hat auch Massnahmen zum Schutz der Insel Choros unterstützt, bei denen u.a. das eingeschleppten (europäischen) Kaninchen erfolgreich beseitigt wurde. Dadurch konnte sich die Vegetation auf der Insel erholen und so die Brutsituation für Pinguine und Garnotsturmvögel verbessert werden. (s. a. Brutsituation auf der Insel Choros verbessert, La Serena 1. Februar 2014). Bereits 2009 hat das Consejo Consultivo die Initiative für eine Meeresschutzone mit beschränkter Nutzung (Área Marina y Costera Protegida de Múltiples Usos-AMCP-MU) ergriffen. Der Beirat bat damals die NGO Oceana eine entsprechenden Antrag beim regionalen Umweltministerium einzureichen und die Genehmigung zu betreiben. Der Fortschritt ist eine Schnecke und so hat erst im Januar dieses Jahres die Regionalregierung in Coquimbo eine Meeresschutzzone bei der Zentralregierung beantragt. Es ist möglich, dass die scheidende Regierung Bachelet die Meeresschutzzone noch beschließt.

Vorsitzende

Rosa Rojas (langjährige Präsidentin von Movimiento en Defensa del Medio Ambiente-MODEMA)

Mitglieder

  • regionale staatliche Institutionen
    Conaf (Naturschutzbehörde), Sernapesca (Fischereibehörde), Gobernación Maritima (Marine), Secretaria Regional Ministerio de Medio Ambiente (Umweltministerium der Region), Bienes Nacionales (Ministerium für Liegenschaften), Municipalidad (Kommune La Higuera), Sernatur- Secretaria Regional de Turismo (staatliche Tourismus-Agentur), Dirección de Obras Portuarias (Hafenbaubehörde)      
  • Wissenschaftler der Universitât La Serena und der Universidad Católica del Norte Coquimbo  sowie der Ceaza (Centro de Estudios Avanzados en Zonas Áridas) (Zentrum für zukunftsweisende wissenschaftliche Studien in Wüstenregionen) Coquimbo
  • Organisationen der Zivilgesellschaft 
       - Kleinfischergremien aus Los Choros und Punta de Choros,
       - Kleinfischerkooperativen,
       - Federación de Pescadores de La Higuera (Förderation der Fischer von La Higuera),
       - Organisación de desarrollo y fomento del turismo-ODEFOT (Organisation für Entwicklung und Förderung des Tourismus),
       - Komitee für Trinkwasser Los Choros und Punta de Choros,
       - Soziale und Umweltschutzorganisationen,
       - Olivenbauern  Los Choros,
       - Bomberos de Punta de Choros (Feuerwehr von Punta de Choros).
  • Nichtregierungsorganisationen

Spenden, Spenden, Spenden

Landau 1. Januar 2018.

Zum Jahresende wurde Sphenisco erneut von vielen Institutionen und Personen auf ungewöhnlich großzügige Weise unterstützt. Der Vorstand hat sich riesig gefreut.
Die Spenden zum Jahresende kamen vom:


- Berufsverband der Zootierpfleger (BdZ),
- Dresdner Zoo,
- Christian Davril,
- Beate und Jürgen Elling,
- Meike Kagel,
- Nils Lübnitz,
- Ulrike Müller-Herancourt,
- Paultons Park, England,
- Pinguin-Museum Cuxhaven
- Katrin Plendl-Jeß,
- Claudia Stehling,
- Luca Steinke,
- Tierpark München Hellabrunn,
- Vogelpark Marlow,
- Woburn Safari Park, England,
- Zoo Berlin,
- Zoo am Meer Bremerhaven,
- Zoo Dublin,
- Zoo Halle,
- Zoo Hoyerswerda,
- Zoo Krefeld


Der Vorstand kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, fühlt sich großartig unterstützt und strahlte nur noch. Die Spenden geben Sphenisco die Möglichkeit, die Arbeit für den Schutz der Lebensräume nicht nur fortzusetzen, sondern sogar auszubauen. Vielen Dank!

W.K.

   
© SPHENISCO