Im Auftrag

im Auftrag 1Algarrobo 6. Februar 2010.

„Im Auftrag des Humboldt-Pinguins“ lernt man Chile wirklich kennen, sozusagen hautnah. 70 Menschen in einem Micro, gedacht für vielleicht 20 Passagiere, und der Fahrstil des Piloten lassen Naturschutzarbeit zum Adventure-Trip werden. Dafür bezahlt man sonst in Chile und anderswo viel Geld. Unser Trip von Algarrobo nach San Antonio kostete pro Person rund 75 Cent einfach.

 

Im Vergleich zu den Menschen im Micro haben die Pelikane, Möwen und der Gunao-Tölpel in den kleinen und  schlichten Gehegen des städtischen Museums für Naturkunde und Archäologie in San Antonio viel Platz.im Auftrag 2 Anfang Februar trafen wir dort zweimal José Luis Brito, den Direktor des Museums. Wie schon 2008 waren wir erneut von dem Engagement und dem umfangreichen Arbeitsprogramm beeindruckt: Pflege und Versorgung kranker und verletzter Tiere, Umweltbildung in Schulen der umliegenden Fischergemeinden, auf lokalen Festen und bei anderen Gelegenheiten. Das kleine Team interveniert zudem bei illegaler Tierhaltung und kümmert sich um wertvolle Lebensräume wie z.B. die Brutinsel Pupuya, verschiedene Feuchtgebiete, die  geschützten Lagunen Perel und Cartagena sowie die Brutinsel Pájaro Nino in Algarrobo. Eine Menge Arbeit für 5 Mitarbeiter und ein paar Freiwillige.

Nicht nur ein großes, auch ein ungewöhnliches Arbeitsprogramm, dazu noch für ein kommunales Museum. Wir kennen keine andere Institution oder Initiative in Chile, die einen Bogen spannt von der Pflege verletzter Tiere, über Maßnahmen gegen illegale Tierhaltung bis hin zur Bildungsarbeit vor Ort. Es ist sehr einfach eine gemeinsame Basis mit José Luis Brito zu finden, Einstellung und Übereinstimmung sind groß, wie nach langjähriger Teamarbeit. Wir sind froh etwas beitragen, mit Sphenisco längst abgesprochene Unterstützung realisieren zu können.

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Medikamente fürs Museum

Wir fahren zum Einkaufen in den nächsten Stadtteil. Das Museum braucht jedes Jahr Medikamente für rund 2000 bis 3000 € für die kranken Tiere. Sphenisco hatte schon lange einen Teilbetrag zugesagt, aber die Rechnungsbelege kamen nicht. Vielleicht zu schwierig, das Museum ist Teil einer  öffentliche Verwaltung. Vor Ort und direkt, geht es. Rechnungen und Belege für das deutsche Finanzamt nehmen wir gleich mit.


Rollup für die Bildungsarbeit

Zurück im Museum stimmen wir den Text für das Rollup „Rettet den Humboldt-Pinguin!“ mit José Luis ab. Auch das Logo des Museums landet endlich in unserem Computer. Stimmt das Dateiformat? Sieht so aus. Es hat das gleiche Format wie das Logo von MODEMA. Alle Projekte des Museums werden mit Hilfe von Rollup´s präsentiert. Das Team nimmt sie mit in Schulen oder improvisiert mit ihnen kleine Ausstellungen an ganz verschieden Plätzen. Jetzt also auch „Rettet den Humboldt-Pinguin!“.

Text des Rollup´s

Lasst uns helfen, den Humboldt Pinguin zu retten!

Er ist ein Bewohner der Küste von San Antonio und Matanzas.

Viele Pinguine sterben durch Unglücksfälle beim Fischfang in den Kiemennetzen.
Lieber Fischer kontrolliere Deine Netze regelmäßiger und verhindere so, dass die Pinguine in ihnen hängen bleiben.

Es ist verboten, Pinguine zu fangen, zu jagen, ihr Fleisch oder ihre Eier zu verzehren.

Hilf einem verletzten oder kranken Pinguin, wenn Du ihn am Strand findest und sag Bescheid bei der Tierauffang-und Rettungsstation des Museums von San Antonio (35-203294– 203399) oder bei Sernapesca, der Armada oder den Carabinieros.


Auch auf unseren Pinguinbotschafter Alex wartet hier viel Arbeit. José Luis will in Absprache mit Barbara Müller (Bibliothekarin der Deutschen Schule in La Serena),  Kontakte zu den Schulen in Quisco, Algarrobo, Mantanza, San Antonio  knüpfen. Das schöne und reichhaltige  Info-Material für das Projekt „Alex & Alexa“, das Jeannine Schützendübe und Jochen Schatz erarbeitet haben, ergänzt direkt den Bestand an Medien im Museum.

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Und es gibt neue Pläne. Wie zuvor schon Dr. Alejandro Simeone rät auch José Luis, den  Schutz der wertvollen Brutinsel Pupuya zu verbessern. Dort brüten Humboldt-Pinguine und andere Seevögel. Leider vergibt die Gemeinde aber auch immer noch eine Konzession zum Abbau von Guano auf der Insel. Außerdem gibt es aktuell Begehrlich-keiten die Insel bzw. das Gebiet touristisch zu nutzen. Wir schlagen ein ähnliches Vorgehen wie im Norden (s. Kartierung wichtiger Brutinseln) vor. Wir sind uns einig, gemeinsam – mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen (Universität Andres Bello,  Santiago), den Beziehungen und Verbindungen von José Luis vor Ort und mit der Unterstützung von Sphenisco - können wir es schaffen.

Da fährt man doch zufrieden zurück nach Algarrobo, mit dem Micro natürlich. Wenn die Pinguine wüssten.

Werner Knauf

   
© SPHENISCO