Pinguin mit Zipfelmütze

Workshop für Kinder aus Fischerfamilien

Pisco-Paracas 3. Februar 2012.

Wir suchen den Versammlungsraum der Muscheltaucher im Fischerdorf San Andres. Dort veranstaltet Acorema in den Ferien an jedem Donnerstag und Freitag einen Workshop für Fischerkinder. Jorge Luis Huarcahuari – der Taxifahrer unseres Vertrauens – lebt in San Andres und weiß ganz genau, wo wir hin müssen. Die Straßen sind geschottert, viele Häuser sind verfallen oder vom Erdbeben und Tsunami immer noch zerstört, andere wieder aufgebaut und Plätze neu angelegt. Irritierend nur, dass wir schon 20 Minuten durch den Ort kurven. Jorge Luiz  fährt zum Haus der Fischer-Gewerkschaft, geschlossen, zum Stadion San Andres, dort sind Kindern aber kein Workshop. Wir steigen aus, Jorge Luiz ist ratlos. Wir schlagen zum 3. Mal vor, an die Mole des Fischerhafens zu fahren und haben Erfolg. Versteckt hinter einem anderen Gebäude, liegt das „local del los lobos del mar“, auf der Außenwand Tintenfische, Seepferdchen, Seesterne auf tiefblauen Grund, die Welt des Meeres, wir sind richtig.


Der Workshop hat schon begonnen. Ein großer, schlichter Raum mit Betonboden, rund 16 Kinder auf weißen Kunststoffstühlen hören Señora Milagros zu. Sie wiederholt heute die „Unterrichtseinheit Humboldt-Pinguin“, Aussehen, Nahrung, Lebensraum, Anzahl der Eier, das ganze Programm. Die Kinder sind erstaunlich aufmerksam, nur Diego und Cesar reden dazwischen, Diego, gerade mal fünf, gibt sich total lässig, Füße auf dem Tisch beantwortet er ohne Zögern jede Frage. Alle haben ein kleines Heft mit Informationen, Abbildungen und Fragen zum Humboldt-Pinguin vor sich. Wer gut aufpasst, kann die kleinen Aufgaben darin lösen und die Bilder richtig ausmalen. Jedes Kind hat auch eine Abbildung von Pinguin Pisko, dem Maskottchen der Kampagne „Wir wollen leben !“. Die Biologen von Acorema haben Pisko "weiterentwickelt" und ihm eine Mütze verpasst. Pinguin mit Zipfelmütze, was ist das denn ? Die peruanische Mütze ist ein nationales Symbol. Wer diese Mütze trägt, ist Peruaner, gehört dazu. Señor Herbert fängt zum achten Mal liebevoll den unruhigen Cesar ein. Die Kinder malen den bemützten Pisko aus und schrieben auf, wie sie ihm helfen wollen. Die Luft ist jetzt heiß und stickig. Herbert zeigt, wie die Kinder aus Knetmasse kleine Pinguine formen können. Alejandro baut gleich 2 erwachsene Pinguine mit Küken, ganz korrekt in Schwarz und Weiß. Dann setzt er ihnen weiße Zipfelmützen auf. Unglaublich wie geschickt er Füsschen und Flügel modelliert. Nebenbei hilft er noch seinem Nachbarn José. Die kleine Maria liebt rosa, ihre Haarspange ist rosa, folglich auch die Mütze des Pinguins. Diego läuft zu ganz großer Form auf. Er liebt es bunt und baut gleich eine ganze Pinguin-Insel mit Meereswelle, Palmen und ganz vielen Pinguinen. Stolz werden die Figürchen präsentiert und die Künstler mit ihren Werken fotografiert. Unglaublich welche Kreativität in diesen Kindern steckt. Am Schluss gibt es etwas zu trinken und zu essen. Ganz ruhig, fast andächtig trinken die Kinder und knabbern Kekse. Nur Cesar hält seinen Becher immer wieder hin. Dann wird gemeinsam aufgeräumt, die ersten Kinder werden abgeholt.

Pinguin mit peruanischer Mütze, „kleine Fischer“ als Pinguin-Schützer, das Lokal der Seelöwen ein sicherer Ort für Kinder, zwei Biologen mit viel Herz und Verstand als Pädagogen, Artenschutz als Sozialarbeit. Wir sind platt. Gleich kommt Jorge Luis und holt uns ab. Er wird staunen, wenn wir ihm erzählen, welch tolle Arbeit in seinem Fischerdorf geleistet wird.

Anmerkung: Workshops für Kinder aus Fischerfamilien waren Bestandteil der Kampagne „Queremos vivir“ (Wir wollen leben!), die Acorema im Auftrag von Sphenisco von Juli 2010 bis Juni 2011 realisiert hat. Die Ferien-Workshops sind auch Teil der aktuellen Kampagne „Promoviendo la Conservación del Pingüino de Humboldt en la zona Costera de Pisco, Peru“, die von Dezember 2011 bis November 2012 durchgeführt wird.

W.K.

 

   
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