Pisko in Aktion

Kampagne zum Schutz des Humboldt-Pinguins


Pisco-Paracas, Landau 3. Oktober 2011.

Kennen sie Pisko ? Nein, macht nichts, das allwissende Netz klärt auf: Pisco, reiner Weinbrand aus Traubenmost, Nationalgetränk in Chile und Peru. Weitere Bedeutung: kleine Hafenstadt an der Panamerikana im Süden Perus. Unklar, ob der Weinbrand nach der Stadt oder doch umgekehrt benannt wurde. Aber Pisko ? Tippfehler, Metzgerei in Nördlingen, Rapper aus Lübeck ? Unsinn, was Google (noch) nicht weiß. Pisku bedeutet in der Sprache der Indianer Vogel und ist – etwas abgewandelt - das Maskottchen der Kampagne „Queremos vivir (Wir wollen leben!)“, die die peruanische Naturschutzorganisation Acorema (Areas Costeras y
Recursos Marinos) im Auftrag von Sphenisco durchgeführt hat. Schwerpunkt der Aktionen waren die Fischergemeinden San Andres und Paracas in der Nähe von Pisco.


Ein ganzes Jahr lang war Pisko mit den Naturschützern von Acorema unterwegs. Er begleitete sie zu rund 3000 Schülern und 140 Lehrern in 11 Schulen. Er half den Unterricht in Sozialkunde, Kunst und Muttersprache zu gestalten. Die Schüler malten 632 Pinguin-Bilder, entwarfen Plakate und bereiteten Demonstrationen unter dem Motto „Wir wollen leben !“ vor. Angeführt von Pisko marschierten insgesamt 330 Schüler durch die Gemeinden. Im muttersprachlichen Unterricht dachten sich die Kinder Geschichten für das Puppentheater des weltberühmten Nationalparks Paracas aus. Auf öffentlichen Plätzen sahen 4233 Kinder und Erwachsene die Aufführungen. Bei den ganz Kleinen, in der Vorschule, erzählte Pisko selbst von den Humboldt-Pinguine auf den Inseln vor der Küste.

Gemeinsam mit aufgeschlossenen Fischern wurde der Flyer „Pingüino de Humboldt“ erarbeitet, eine Bildergeschichte über die Gefahren, die Humboldt-Pinguinen in Peru drohen: gefährliche Kiemennetze, Haltung der Pinguine als Haustiere, Verzehr von Pinguin-Fleisch und Eiern, Abbau von Guano, Überfischung des Pazifik, Müll im Meer und Fischen mit Dynamit. So erreichte die einjährige Kampagne mit verschiedenen Medien rund 10.000 Menschen, darunter auch rund 1400 Fischer, Taucher und Hafenarbeiter. Mit 451 von ihnen sprachen die Naturschützer von Acorema sogar einzeln.

Wer Pisko im vergangenen Jahr getroffen hat, weiß, dass Humboldt-Pinguine nicht in der Antarktis leben, in Chile und Peru beheimatet und stark von der Ausrottung bedroht sind. Er weiß auch, dass sie deshalb nicht Teil des Essens sein können und dass es für sie tötlich ist, als Haustiere gehalten zu werden.

Pisko und die Naturschützer würden gerne weiterarbeiten, die Kampagne auf andere Fischergemeinden ausweiten und die Behörden noch stärker beteiligen. Sie überlegen, nachzuforschen wie viele Humboldt-Pinguine noch in Gefangenschaft leben und ob es möglich ist, sie in einer Auffang- und Rettungsstation zu betreuen und / oder sie auszuwildern.

Sphenisco dankt Acorema für die gelungene Kampagne „Wir wollen leben !“. Wir kennen in Chile und Peru keine Aktionen oder pädagogische Maßnahmen, die gezielt so viele Kinder und Erwachsene erreicht und so stimmig über die Bedrohungsursachen informiert haben. Sphenisco plant die Zusammenarbeit mit Acorema fortzusetzen.

W. K.

   
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