Mit gutem Beispiel voran

Landau 18. Januar 2016.

FütterungEs sind noch nicht viele Zoos und Aquarien, aber es werden mehr. Jetzt steht auch im Zoo Landau in der Pfalz nachhaltig gefangener Fisch, in erster Linie Hering, auf dem Speiseplan. Nachhaltigkeit und Artenschutz spielen im Landauer Zoo eine wichtige Rolle. Neben der Meeresverschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll zählen die Überfischung und der damit verbundene Rückgang an Meeresfischen zu den Faktoren, die das Überleben zahlreicher Meerestiere bedrohen. So z.B. auch der Südamerikanischen Seebären und Humboldt-Pinguine, die zum Tierbestand des Zoo Landau zählen. An diese beiden Tierarten wird der größte Teil des Seefisches im Zoo Landau, ca. 15 Tonnen pro Jahr insgesamt, verfüttert. Wie die großen Zoologischen Gärten in Düsseldorf, Duisburg, Frankfurt, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg und Stuttgart hat sich nun auch der kleine Landauer Zoo nach dem Standard des MSC zertifizieren lassen (Anm.).

MSC LogoDer MSC (Marine Stewardship Council) wurde 1997 von der Umweltorganisation WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever ins Leben gerufen, um dem globalen Problem der Überfischung entgegen zu wirken. Seit 1999 arbeitet der MSC gänzlich unabhängig von beiden Organisationen und verwaltet das weltweit bekannteste ökologische Zertifizierungs- und Kennzeichnungsprogramm für nachhaltige Fischerei. Das MSC- Siegel bestätigt Fischerei-Unternehmen (z.B. der Firma Kutterfisch in Cuxhaven), dass sie nachhaltig arbeiten, d.h. nur in gesunden Beständen fischen, keine untermassigen Fische fangen und keine Meeressäuger vernichten. Inzwischen hat der MSC bei wildgefangenem Fisch in Deutschland einen Marktanteil von 52 % erreicht (Stand 2012). Dazu tragen die wachsende Zahl kritischer Konsumenten und Großverbraucher wie z.B. auch Zoologische Gärten bei, weil sie beim Einkauf Wirtschaftlichkeit und nachhaltige Qualität der Waren berücksichtigen. In Chile und Peru sind erst ganz wenige Firmen nach dem MSC-Standard zertifiziert. Auch dort ist ein Kurswechsel zu nachhaltiger Fischerei dringend erforderlich, damit auch morgen noch im Pazifik gefischt werden kann und bedrohte Meerestiere wie der Humboldt-Pinguin überleben.

Die Fütterung von nachhaltig gefangenem Fisch ist vorbildlich. Die Zoologischen Gärten leisten auf diese Weise einen Beitrag zum besseren Schutz des Ökosystems Meer und sie realisieren Umweltbildung, indem sie die Besucher auf die Möglichkeit des Konsums von MSC-Fisch hingewiesen und so eine Handlungsmöglichkeit im Alltag aufzeigen. Durch ihre Popularität sind Pinguine besonders geeignet, auf die Bedrohungen ihrer Artgenossen im natürlichen Lebensraum hinzuweisen.

Dr. Christina Schubert & Werner Knauf

Anm.: Es gibt auch Zoologische Gärten, die nachhaltig gefangenen Fisch füttern, selbst aber nicht nach dem MSC-Standard zertifiziert sind.

   
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